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Glasfaser: Aus Rückständigkeit wird jetzt Vorsprung

Blog-Eintrag   •   Apr 03, 2017 14:08 CEST

Heimat 4.0: Das Land bietet eine unschlagbare Lebensqualität - und mit Glasfaser auch eine unschlagbare Vernetzung

Ein Beitrag von Uwe Nickl, Geschäftsführer Deutsche Glasfaser Holding GmbH 

Die Bundesrepublik Deutschland und ihre politischen Akteure stehen vor einer gewaltigen Herausforderung. Die Gigabit-Gesellschaft steht vor der Tür – wenn auch nur in den Werbebotschaften der Kabel- und Telekom-Konzerne. In Wahrheit hat Deutschland ein echtes Infrastrukturproblem: Gerade einmal etwas mehr als ein Prozent aller Haushalte kann an eine gigabitfähige FTTB/H-Infrastruktur angeschlossen werden. Der schleppende Ausbau von echten Glasfasernetzen vertieft die Kluft zwischen den mit Breitbandnetzen gut versorgten Ballungsräumen und dem ländlichen Raum.

Deutschland muss das Ausbautempo erhöhen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Dafür gibt es keine Patentrezepte, auf nationaler Ebene ebenso wenig wie in der Europäischen Union. Vielmehr müssen ausreichende Baukapazitäten, private Investitionsmittel, Nachfrage, maßvoll langfristige Fördermaßnahmen und ein die vielfältigen Baumaßnahmen unterstützendes Regelwerk im öffentlichen Sektor zusammenkommen. Förderprogramme in Milliardenhöhe allein sind keine Lösung, vor allem, wenn sie durch eine zeitliche Beschränkung eine allein preissteigernde Nachfrage nach Baukapazitäten auslösen. Der eigenwirtschaftliche FTTH-Ausbau und Förderung können sich bei ausreichender Flexibilität ergänzen und einen ef zienten Einsatz der Steuergelder ermögli- chen.

Deutsche Glasfaser hat eine Kombination innovativer Planungs- und Bauverfahren entwickelt, die den weitreichenden Ausbau von reinen FTTH-Netzen im ländlichen Raum erst- mals wirtschaftlich macht. Sie haben sich in den Niederlanden bereits 2,5 Millionen Mal bewährt – und inzwischen rund 275.000 Mal in Deutschland.

Deutsche Glasfaser ermöglicht gerade auch ländlichen Kommunen einen echten FTTH- Ausbau. Auf diese Weise unterstützt Deutsche Glasfaser die Transformation des ländlichen Raums – privatwirtschaftlich, aber immer in Abstimmung mit den Kommunen.

Deutsche Glasfaser hat im Rahmen unserer Ausbauaktivitäten fünf Aspekte identifiziert, deren Beachtung den Ausbau von Glasfaseranschlussinfrastrukturen in Deutschland nachhaltig nach vorne bringen wird:

1. Flächendeckender Ausbau unter privatwirtschaftlichen Vorzeichen

Die flächendeckende Verlegung einer – essentiellen – Infrastruktur ist neu für alle Institutionen – angefangen bei den privatwirtschaftlichen Akteuren über Investoren bis hin zu den öffentlichen Institutionen auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene. Von der Verschlankung der Genehmigungsstrukturen bis hin zur Zulassung und Weiterentwicklung innovativer Verlegemethoden gibt es hier ein weites Feld, auf dem der Ausbau – mit kleinen Schritten und großer Wirkung – nach vorne gebracht werden kann.

2. Marktwirtschaft bedeutet Dynamik und Innovation

Zentral für das Gelingen wird sein, dem privatwirtschaftlichen Ausbau Zeit und Raum für Entfaltung zu lassen. Bereits heute kann man sehen, dass durch Fortschritte in Bau- und Verlegetechnologien sowie in der gesamten Prozesskette von Planung über Angebots- und Auftragserteilung bis zur Durchführung und Dokumentation die faktischen Baukosten stetig sinken. Gebiete, die nach konventioneller Betrachtungsweise als eigenwirtschaftlich nicht erschließbar galten, sind auf einmal offen für einen Ausbau. Aus „Weißen Flecken“ werden somit Fokusgebiete. Politik und Rahmenwerke müssen diese Dynamik auch im Rahmen möglicher Fördermaßnahmen berücksichtigen.

Der Glasfaseranschluss ermöglicht ländlichen Kommunen, ihre Vorzüge hinsichtlich Lebensqualität, Identität, Zusammenhalt und bezahlbaren Wohnraum zur Geltung zu bringen –  und hinsichtlich Vernetzung nicht nur zu Millionenstädten aufzuschließen, sondern diese sogar zu überholen.

3. Verlässliche Rahmenbedingungen

Die – auch regulatorische – Förderung von Übergangstechnologien vermindert die Dynamik des Glasfaserausbaus, auch wenn kurzfristige Vorteile eines solchen Vorgehens möglich sind. Das Gleiche ist über Förderprogramme zu sagen, die entweder diese Übergangstechnologien noch stärken oder durch ihre zeitliche Befristung die tatsächliche Verlegung von neuen, dauerhaft vorteilhaften Infrastrukturen unter unnötigen Realisierungsdruck setzen – mit allen Nachteilen in Bezug auf Kosten und planerische Sorgfalt.

4. Open Access und Investoren

Offene FTTH-Netze, die neben Zugangsprodukten auf Bitstrombasis auch einen entbündelten Zugang zu jeder einzelnen Glasfaseranschlussleitung ermöglichen, bieten eine Reihe von Vorteilen. Einerseits eröffnen sie – insbesondere in einer Kombination mit adaptierten Förderprogrammen – die Chance für langfristig orientierte Kapitalgeber, dieses Kapital mit kalkulierbarem Risiko in Deutschland anzulegen. Daneben bieten sie jedoch auch handfeste Vorteile in Bezug auf Wettbewerbsdynamik (= Technologiewettbewerb auf dem Glasfaseranschluss) und Förderbedarf für eine flächendeckende Erschließung. Durch ihr geringeres Finanzierungsrisiko und die gegenüber einem vertikal integrierten Unternehmen höhere Auslastung sinken für diese Variante die für eine Flächendeckung notwendigen Förderbedarfe.

5. Nachfrageförderung auch ohne Subventionen

Die Öffentliche Hand hat es über eine ambitionierte Adaption der Digitalisierung in ihrem eigenen Verantwortungsbereich in der Hand, auch die Nachfrage im privaten Sektor nachhaltig zu stimulieren. Je mehr Interaktionen mit der öffentlichen Hand oder auch im Gesundheits- und Pflegesektor digital verlaufen können (und müssen), desto höher der Nachfragedruck aus dem privaten Sektor und von Gewerben. 

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